Europäische Woche

Doppelbelastung, was für ein Euphemismus.
Quadrupelbelastung. Decathlonlast. Alltäglicher Zehnkampf.
Ich bin seit vier Tagen mit dem Baby allein und es bleibt mir nichts übrig als diesen Wahnsinn sportlich zu nehmen. Job und Kind sind das eine, das läuft. Easy.
Aber dann sind da noch meine Nebenjobs als Bürokratiebezwingerin, Reiseleitung, Hausmeistern, Feministin und ach ja, Bundestagskandidatin!

Eine der wertvollen Lektionen die ich aus der Unternehmensberatung mitgenommen habe (oder war es doch Suits?!) ist “Never complain, never explain.” (Keine Beschwerden, keine Rechtfertigungen. Dies ist wohlgemerkt ein Rat für den Job definitiv nicht fürs Beziehungsleben!)
In diesem Sinne führe ich jetzt nicht weiter aus, wie müde ich bin und warum genau.
Ich ziehe meinen Hut vor denen, die diesen täglichen Wahnsinn als Alleinerziehende machen. Ihr seid Helden und ich habe enormen Respekt vor Euch!

Rückblick:
Letzte Woche war ich mal wieder in Brüssel. Im Herz der Europäischen Union. Brüssel pulsiert und ich hoffe, dass das auch übertragenen für das Herz Europas gilt. (Ich wollte eigentlich noch gar nicht zu #pulseofEurope weiterleiten. Verdammte Metaphern…)
Ich war in Brüssel für die RightsCon, einer Konferenz zu digitalen (Menschen-)Rechten. Zwei Tage mit Hunderten von Expert:innen von NGOs, Unternehmen, Verbänden und natürlich Politik. Ich habe mir Panels zu Datenschutz, Copyright und Fake News angehört und zwischendrin über Adblocking, Netzpolitik und Hate Speech diskutiert.
Eines meiner Highlights war ein Journalist eines belgischen Recherche-Magazins, der frei raus erklärte, dass Werbung der Inbegriff von Fake News ist. Welch wunderbare Pointe.
Ich bin immer noch dabei, zu lernen, wie genau der riesige Apparat EU funktioniert, aber ich weiß genug um nicht nur schwer begeistert von diesem supranationalen Bündnis zu sein, sondern auch schwer beeindruckt von ihren Details. Allein die Titel. Wer will denn bitte nicht einmal in ihrem Leben “Shadow Rapporteur” sein? Dagegen verblasst jeder Stormtrooper.

Jetzt noch das mit dem Puls. Ich habe es endlich, endlich zum ersten Mal zur Pulse of Europe Demo geschafft. Als ich ankam tönten die Beatles über den gesamten Gendarmenmarkt: “You say Goodbye, but I say Hello! Im Sonnenschein wogten unzählige großer blaue Fahnen und kleine blaue Wimpel mit goldenen Sternen. Und während ich ja ansonsten für Flaggen herzlich wenig übrig habe, hat mich diese Szene ergriffen.
Es macht Hoffnung, dass “ganz normale Menschen” am Sonntag auf die Strasse gehen um für etwas einzustehen. Wer es also wie ich in den letzten Wochen noch nicht geschafft habt: Geht dahin! Es ist nicht nur wichtig, es macht auch noch Spaß! Gibt es ja tollerweise in jeder größeren Stadt. Und wenn es bei Dir noch keine sonntägliche Open-Air-Party für Europa gibt, dann solltest Du eine veranstalten!

Ausblick:
Morgen kommt der Mann wieder und ich darf endlich wieder ganz allein einen ganzen Tag ins Büro. Juhu. Und wenn ich noch mehr Glück habe, kocht er mir abends was! Gestern habe ich angebrannte Kartoffeln mit Butter gegessen, eben habe ich mir die Zunge an labbriger Tiefkühlpizza verbrannt…
In meinem Postfach wartet die erste Mail mit Wahlkampfterminen, die in den Kalender eingetragen werden wollen und überhaupt muss ich mich jetzt mal darum kümmern, zu mehr grünen Veranstaltungen zu gehen. Im Bezirk und zu meinen Themen. Am Wochenende hat Baby den ersten Abend ganz allein mit einer Babysitterin verbracht, es steht also nichts mehr im Weg für mehr (politisches) Abendprogramm.
Am Mittwoch Abend gehe ich zur Böll Stiftung um Caroline Emcke zu sehen und zu hören. Und zu bewundern.
Am Freitag bin ich bei einer Berliner Start-Up-Konferenz und am Samstag spreche ich selbst bei einer eher außergewöhnlicheren Konferenz: Es geht um “Unternehmertum und Hochstapelei”. Ich bin selber ganz gespannt auf das Panel. Kommt vorbei!

So. Ich muss jetzt noch schnell den Boden um den Esstisch wischen, damit der Mann nicht sieht, welche Sauerei ich und das Baby beim Abendessen veranstaltet haben…
Schlimm genug, dass mein Rabenmuttersein unauslöschbare Spuren am Kind selbst hinterlassen hat. Hat schon jemand mal Concealer bei Babies ausprobiert?? Frage für ein oder zwei blaue Beulen…

(Darf ich das schreiben oder schickt jetzt gleich jemand das Jugendamt? Es geht ihm gut. Wirklich!!)

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