Mama und Montag und Nichts

“Schreib mal wieder!” hat Mama gesagt und mittlerweile bin ich ja alt genug um zu wissen, dass es eigentlich immer eine gute Idee ist, zu tun was Mama sagt.

(Leider ist Mini noch weit entfernt davon…)Auch wenn ich heute schon wieder so unfassbar produktiv war, dass ich eigentlich finde, ich könnte jetzt auch einfach schlafen gehen. Ich habe schon während dem Frühstück die ersten Journalistenanfragen gelesen, weil Springer uns angeblich mal wieder verklagt. Auf dem Rückweg von der Kita habe ich dazu mit unserem Justiziar telefoniert, um dann ein Pressestatement fertig zu machen und zu verschicken.

Behaupten die doch tatsächlich, ein Adblocker würde in den Quellcode einer Website eingreifen. Ich weiß nicht, ob deren technisches Verständnis wirklich so dermaßen nicht vorhanden ist, oder ob sie mal wieder einfach Geschichten spinnen und Dinge behaupten, weil es ihnen in den Kram passt…Nachdem ich mit denen erstmal durch war, habe ich mir wie jeden Morgen einen kurzen Überblick über mein Team verschafft, leider war jemand krank und aktuell sind zwei Stellen unbesetzt, es ist also alles ein bisschen eng. Glücklicherweise besteht mein Team ausnahmslos aus großartigen Menschen, die alle immer mitanpacken, so dass wir auch unterbesetzt nur erstklassig abliefern. Während eine:r meine:r Werkstudent:innen die Präsentationsvorlage für die nächste Managementpräsentation erstellt hat, habe ich die Ausschreibungen für die offenen Jobs vorbereitet. Dann hat mir ein freundlicher Mensch warmes Mittagessen gebracht und ich habe eine kurze Mittagspause auf dem Balkon gemacht. Mit viel Sonne und extra leckerem Nachtisch als Vorspeise, einfach so. Mensch muss die Gelegenheiten für Selfcare ja nutzen, wenn sie sich bieten!

Danach dann noch eine kurze Videokonferenz um mit einer Mitarbeiterin ihre Weiterbildung zu besprechen und zwischendrin immer wieder Mails an Journalist:innen und Chats mit anderen Kolleg:innen. Zu Content-Monetarisierung, User-Feedback und unserer Unternehmensstrategie im Allgemeinen.Abends habe ich mit Mini gekocht, auf dem Speiseplan standen laut ihm “kalte Spiegeleier”. Ich habe vorgeschlagen, erst Spiegeleier zu braten und die dann abkühlen zu lassen. “Nein, nicht warm machen!!” Ok, dann darf er halt ein “kaltes Spiegelei” probieren. Fand er dann doch gar nicht so lecker. Also doch die Pfanne auf den Herd.

Letzte Woche hatten wir morgens das umgekehrte Problem. Es ging damit los, dass er tagelang morgens Eis und zwar nicht anderes als Eis!!!!!!! gefordert hatte, sonst Drama. Also habe ich Beeren püriert und in lustige Eisförmchen gepackt, weil jeden Morgen Drama ist echt anstrengend. Kurz war er schwer begeistert, dass seine Gebete erhört worden sind und er ein Eis zum Frühstück bekommen hat. Allerdings nur sehr kurz, denn “Ice too cold!!” (Wir sind hier gerade zwischen babelschem Sprachwirrwarr und einem dreisprachigem Kind). Das Eis war also zu kalt. Wie konnte ich es wagen, ihm so kaltes Eis zu servieren? Erstmal wieder Drama. Dann die nächste Forderung: “Mama warm machen! Da!!” begleitet mit einem spitzen Finger auf die Mikrowelle. Ich ahnte, dass das so oder so nicht gut ausgehen würde, und bot an erstmal ein Stück in die Mikrowelle zu tun. “Nein, ganzes!!!” Ein Mini, ein Wille… Ihr ahnt es, eine Minute später brach das nächste Drama aus, weil da auf einmal nur noch Beerenmatsch und kein warmes Eis in dem Schüsselchen waren… Keine Ahnung wie ich die restliche halbe Stunde bis zum Kitabeginn überlebt habe.

Am Wochenende stand mal wieder ein kleines politisches Highlight an, die Landesdelegiertenkonferenz der Berliner Grünen. Ich war zwar diesmal nicht selber delegiert, aber ich wollte mir trotzdem gerade die Reden und die Abstimmung der Leitanträge nicht entgehen lassen. Und spätestens, als Werner Graf über die Grüne Version von Law and Order vorgestellt hat, nämlich die rechtmäßige und ausnahmslose Umsetzung der Paragraphen 1-3 unseres Grundgesetzes, hatte ich keinen Zweifel mehr daran, dass inmitten lauter Grüner Gutmenschen zu sitzen auch an einem sonnigen Aprilsamstag besser ist als im Grünen zu sitzen. Weil mensch es nicht oft genug zitieren kann: “Die Würde des Menschen ist unantasbar.” Und um ergänzend Werner zu zitieren: “Die Würde aller Menschen.” Egal, wo sie herkommen, egal wen sie lieben, egal wie alt sie sind oder wie sie aussehen.
Als I-Tüpfelchen hat mir Julia Maria von der LAG Frauen* und Gender noch einen “Weg mit §218”-Aufkleber in die Hand gedrückt. Immer wieder: Richtige Partei.

Auch wenn wir natürlich netzpolitisch eine herbe Schlappe einstecken mussten. Hat es das Europaparlament doch tatsächlich gewagt während meines Urlaubs im Rahmen der Copyrightreform Uploadfilter durchzuwinken. Trotz des nahezu übermenschlichen Engagements von Julia Reda und einer breiten Politisierung von YouTuber:innen (vor ein paar Jahren hätte ich das für ein Oxymoron gehalten) wurden mal wieder die Rechte der Nutzer:innen und das freie Netz an sich als irrelevant gegenüber den Interessen von analog-verhafteten Verlagskonzernen eingestuft.

Wenn ich dieser Entwicklung irgendetwas positives abgewinnen kann, dann dass es ganz klar zeigt, wie richtig und wichtig netzpolitisches Engagement ist. Weil eben immer noch viel zu viele Menschen nicht verstanden haben, wie das Internet funktioniert und was es alles ermöglicht, wenn mensch es nicht einfach nur als Überwachungsinstrument ausbauen will.

Was gibt es sonst noch zu schreiben? Es ist ganz schön lange her seit dem letzten Montagspost und es ist definitiv vieles passiert. Sehr vieles! Fast schon zu viel. Aber nur fast.

Das Leben zieht so schnell an mir vorbei, ich weiß gar nicht wo anfangen und wie das Beschreibenswerte rauspicken. Ich war bei der Preisverleihung für Kristina Hänel, Natascha Nicklaus und Nora Szász, habe mit Dunja Hayali über Abtreibung und mit anderen Aktivist:innen über digitale Gewalt gegen Frauen gesprochen. Ich bin umgezogen, habe Lampen montiert, Windeln gewechselt und hinter neuen Vorhängen verstecken gespielt. Ich habe Pressemitteilungen geschrieben und Kinderbücher vorgelesen.

Und ich war gerade im Urlaub! Also vor zwei Wochen, aber in der Geschwindigkeit, die mein Leben hat, zählt das noch als gerade. Ich habe für 10 Tage an einem Strand gelebt, in einer kleinen Hütte im Sand. Mein Telefon lag die allermeiste Zeit irgendwo im Halbdunkel und ich mit einem Buch im Halbschatten. Weil es in der Sonne fast zu heiß war und weil ich ja mittlerweile auch weiß, dass ein wenig blasser im Zweifelsfall gesünder ist. Ich habe gelesen, Papayas gegessen und ab und an ein bisschen Yoga gemacht.
Sonst nichts.
Einfach nichts.
Das war das allerbeste an diesem Urlaub.
Das beste, worüber ich schreiben kann ist also: Nichts.
(In einem anderen Leben werde ich doch noch große Philosophin!)

Als ich dann vorletzte Woche wieder in Berlin gelandet bin, war es grau, kalt und nieselig und ich habe erst überlegt ob ich einfach sitzenbleiben und zurückfliegen kann. Auch wenn das meine persönliche Ökobilanz noch mehr vermiest hätte.
Aber eine Stunde nach mir sollte Mini mit einem anderen Flieger aus seinem Urlaub bei den Großeltern zurückkommen und die Vorfreude auf meinen persönlichen, 1 Meter großen Sonnenschein, haben mich dann doch aussteigen lassen.
Die Stunde Wartezeit habe ich mir mit dem Zoll vertrieben, die Beamtin hat sich gar nicht mehr eingekriegt vor Lob darüber, dass ich meine Rum-Importe angemeldet habe. Ich werde jetzt immer irgendwas über de Freimenge aus dem Urlaub mitbringen, nur um so überschwänglich gelobt zu werden.
Jetzt fühle ich mich bei jedem Schluck nicht nur an den Urlaub erinnert, sondern auch als extra vorbildliche Staatsbürgerin.Vielleicht gönne ich mir jetzt noch einen klitzekleinen Schluck Urlaubsrum und fühle mich doppelt vorbildlich weil endlich wieder einen Montagspost geschrieben!
Sounds like a plan.

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