Kennt eins ja: Gestern noch hüpft Mini um 7 Uhr auf meiner Matratze und erklärt, dass ich jetzt schnell aufstehen muss und nein, Du bauchst keine Hose, Lego spielen, jetzt.
Heute hat er um kurz vor acht, nach einer Viertelstunde beschwörendem Singsang noch mit geschlossenen Augen erklärt, er müsse Schokolade essen. Muss! “Aber zum Frühstück gibts keine Schokolade…” “Aber doch! Oben im Schrank da gibts Schokolade!” Kluges Kind, Mist.
Also einen proforma Deal ausgehandelt, Schokolade gegen Aufstehen, aber dann auch noch einen Joghurt essen und später ganz gut Zähne putzen. (Wem denke ich eigentlich hier was vormachen zu müssen?)

Eine Stunde später beglückwünsche ich mich innerlich die erste Deadline der Woche geschafft zu haben: Kind pünktlich in Kita abgeliefert.
Vor ich aufs Fahrrad steige, kurzer Blick in den Kalender, um einen Überblick zu bekommen, was ich heute sonst noch so abliefern muss. Meetings, Meetings, eine Deadline, zwei Mitarbeiter:innengespräche. Ach ja und einen Montagspost.
Im Büro muss ich mir erstmal die Nase putzen, meine Erkältung ist gerade halbwegs durch, dafür liegt jetzt der Herzensmensch flach. Weswegen ich fast pampig werde, als ich mitkriege wie ein Kollege erklärt, dass er eigentlich krank sei, aber nicht zu Hause bleiben wollte, weil wichtiges Kundengespräch. Leistungsgesellschaft is killing us.
Wenigstens mache ich Home Office, wenn ich das Gefühl habe, gerade von zu vielen Viren besiedelt zu sein. Auch nicht unbedingt vorbildlich, weshalb ich umso deutlicher jede:n in meinem Team anweise, einfach im Bett zu bleiben und den Laptop maximal für Netflix zu benutzen, wenn sie sich nicht fit fühlen.

Neben meinem eyeo Team werde ich auch dieses Jahr wieder das Team der grün-digitalen in Berlin leiten. Ich hab mich sehr gefreut, letzte Woche als Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Digitales und Netzpolitik wiedergewählt zu werden. Zusammen mit meinen Co-Sprecherinn:en Johanna, Anika und Michael werden wir uns dieses Jahr verstärkt um digitale Landespolitik in Berlin, aber auch um das Grüne Grundsatzprogramm kümmern. Also ganz konkret und total grundsätzlich gleichzeitig. In Sachen Digitalisierung ist das auch das einzige, was Sinn macht. Wenn wir die Grundsatzdiskussionen abschließen wollen, vor wir umsetzen, hieße das, dass andere einfach schon Tatsachen schaffen, wenn es um KI in der Verwaltung, um Gesichtserkennung am Bahnhof oder um Hass im Netz geht. Zu letzterem veranstaltet die Linke morgen ein Fachgespräch im Bundestag, dass ich mir anhören werde. Die Bundesregierung hat ja ein Maßnahmenpaket vorgelegt und gleichzeitig werden Änderungen am NetzDG verhandelt. Ich halte es für absolut notwendig, hier kein Flickwerk von (im besten Fall) symptombekämpfenden Einzelmaßnahmen zu beschließen. Ideen wie eine “Klarnamenpflicht”, die vor allem Konservative immer wieder aus der netzpolitischen Mottenkiste holen, bringen in Sache digitaler Gewalt zum Beispiel überhaupt nichts. Dafür würden sie das, was mal als freies und offenes Netz gestartet ist, weiter einschränken, reglementieren und gerade für Minderheiten zu einem unsichereren Raum machen.
Ich bin gespannt zu hören, wie linke Expert:innen die Lage einschätzen.

Mittwoch Abend wird es auch wieder politisch, es tagt der Landesausschuss meiner Lieblingspartei. Wenn ich am Donnerstag mit Lohnarbeit fertig bin, steht zwar keine Partei auf dem Programm aber das Private ist ja auch politisch und ich kann dann endlich wieder queere Legomenschchen bauen.
Nein, ich sage das “in echt” nicht so. Aber vielleicht fang ich damit an, jetzt wo ich drüber nachdenke! Bei Mini sind sowieso alle Menschen. Im Krankenhaus arbeiten Krankenmenschen, im Restaurant Essenmenschen, beige Autos werden von Taximenschen gefahren. Keine Ahnung, woher er das hat, (von mir leider nicht) aber ich finde es ganz entzückend und sehr vorbildlich.

Habt eine großartige Woche, ihr Lesemenschen!

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