Twitter hat gesprochen, es gibt wieder Montagspost. Ich weiß noch nicht, an wievielten Montagen, aber ich habe mich über die Entscheidungshilfe von Euch gefreut – Danke!

„Aber warum??!“ würde Mini fragen. „Weil ich wieder mehr bloggen will.“ Wäre eine Antwort, mit der ich es versuchen würde.
„Warum?“ „Weil ich gern schreibe und mich freue, wenn andere darüber an meinem Leben teilhaben.“
„Teile??“

Der Kalender sagt, das Jahr sei noch ganz jung, mein Gefühl sagt, es ist schon wieder so viel passiert. Wir haben beide Recht.
Natürlich habe ich auch dieses Jahr mit einer großabgelegten Planungsoffensive gestartet. Ich habe darüber nachgedacht, was ich dieses Jahr Privat und Beruflich machen will, mit wem und wo ich Zeit verbringen will. Ich habe einen neuen Notizkalender, einen neuen Wandkalender und die drei digitalen Kalender, die ich verantworte eingeweiht. Kitaschließzeiten und wichtige Digitalkonferenzen eingetragen und die nächsten Dates mit dem Herzensmensch.
Nach so viel Planung, hat es mich dann akut in den Fingern gejuckt, los zu legen. Aber da waren noch vier freie Tage!
Eine meiner großen Erkenntnisse aus dem letzten Jahr ist, dass Nichtstun mir nicht gut tut und dass das auch ok ist. Aber dann habe ich mir doch noch den 2. und 3. Januar freigenommen.

Umso froher war ich, als ich dann am Montag endlich wieder im Büro saß. Nachdem ich die ersten 6 Videokonferenzen des Jahres hinter mir hatte, habe ich mich langsam wieder wie ich selbst gefühlt. Am Ende der ersten Woche habe eine Idee von den Konferenzen und Veranstaltungen auf denen ich dieses Jahr rumturnen werde, ich mache Entwicklungspläne für meine Mitarbeiter:innen und wir schmieden Anti-Lobby-Pläne um digitale Nutzer:innenrechte zu verteidigen.
Dieses Jahr werden wir das erste Mal Künstliche Intelligenz in Adblock Plus einsetzen und ich freu mich jetzt schon, mich tiefer in die technischen Aspekte reinzunerden. Und dann abends mit meinen digitalpolitischen Mitstreiter:innen darüber zu diskutieren, welche Regulierung KI braucht.

Parallel dazu wächst eine andere Intelligenz ran, die langsam aber sicher gar nicht mehr so Mini ist. Jedenfalls trainiert er sein Wissen und Verständnis der Welt gerade sehr ausgiebig mit einem so einfach wie wirkungsvollen Tool: “Warum?”
Natürlich trainiert er dabei auch mich. Allein in der letzten Woche musste ich erklären, warum die Wolken vom Wind weggepustet werden, der Mond aber nicht, warum Autos stinken, warum da ein Mensch lang läuft, warum Oma in lieb hat und natürlich warum er ins Bett, aus dem Bett und in die Kita, warum er Zähneputzen oder Mütze muss. “Aber warum?”
Bisheriger Peak-Warum-Moment: “Willst Du was trinken?” “Warum?” Ähm. Ja, ich weiß auch nicht?! Vielleicht weil Du Durst hast, oder willst Du wissen, warum ich Dich gefragt habe, oder etwa, warum Menschen Flüssigkeit zu sich nehmen (sollten)?
Also gebe ich mir Mühe, die Welt zu erklären. Dazu gehört dann ab und auch, zu erklären, dass ich leider nicht alles weiß. Zum Beispiel warum manche Menschen nicht lieb sind. Wenn ich ihm dann versichere, dass die meisten Menschen die meiste Zeit lieb sind, frage ich mich, wieviel der Versicherung eigentlich mir selbst gilt. Denn als Erwachsene, Medien konsumierender Mensch, kann eins da ja leider doch sehr ins zweifeln kommen. Zum Glück schreiben kluge Frauen kluge Texte zu Generationendiskussionen über Optimismus, was mich wiederum optimistisch stimmt, dass mein Welt- und Menschenbild nicht nur Wunschdenken ist.

Am Freitag durfte ich mit ganz vielen tollen Menschen, mit ähnlichen Welt- und Menschenbild, mit Freundinnen, Vorbildern und Mit-Mitgliedern 40 Jahre Grüne Partei und 30 Jahre Bündnis 90 feiern. Leider habe ich es verpasst rechtzeitig die passenden Fotos aus diversen Schuhkartons zu graben, aber natürlich verbinde auch ich sehr viel mit der Grünen Geschichte. Die allermeisten meiner Kinderbilder entstanden auf Rückseiten von Infoblättern zum “Volksbegehren besseres Müllkonzept”, für das meine Eltern aktiv waren. Und meine Mama erzählt immer noch, davon wie sie mit mir im Bauch auf Anti-AKW-Demos war. Krötensammeln und Vollkornpfannkuchen gehören zu den weniger aufregenden Erinnerungen, die ich an meine Öko-Kindheit habe.
Politik war in unserer Familie definitiv immer Thema, und meine Eltern waren in diversen Kontexten aktiv, aber in einer Partei – soweit ich weiß. (Note to self: Mama anrufen. Oder besser: Mama, kommentier doch mal!)
Vielleicht hat es auch deshalb 20 Jahre gedauert, bis ich bei den Grünen eingetreten bin. Ich wollte im wahrsten Sinne des Wortes Farbe bekennen. Bis ich politisch aktiv geworden bin, hat es dann aber nochmal ein paar Jahre gedauert. Während ich mich als junges Neumitglied in Hamburg nie getraut habe, zu einer grünen Veranstaltung zu gehen, bei der ich niemanden kenne, saß ich bei den Piraten nur Stunden nach meiner ersten Mail bei einem Treffen von digitalaffinen Feminist:innen und habe Tage später eine interne Kampagne zu Genderthemen mitgestartet. So euphorisch wie es los ging, so frustrierend ging es kurz darauf zu Ende: Nach diversen Shitstorms und innerparteilichen Attacken habe ich dem Laden 2014 den Rücken gekehrt. Es hat allerdings nicht lange gedauert, bis ich gemerkt habe, dass mir Parteiarbeit fehlt und ich Politik zu wichtig finde, um mich nicht aktiv damit zu beschäftigen. Also bin ich zum zweiten Mal Grünes Mitglied geworden. Bei meiner ersten Veranstaltung kannte ich trotz Neustatus dann doch schon viele, denn es war der Digitalkongress 2015. (In Bielefeld, wo auch sonst…) Ich werde nie vergessen, wie ich zusammengezuckt bin, als eine Moderatorin eine quotiere Redeliste angekündigt hat – bei den Piraten wäre das Auftakt zu einer wüsten Schimpforgie gewesen. Bei den Grünen: Nichts. Ich wußte in dem Moment, dass ich in der richtigen Partei bin, ein für alle mal.

Jetzt ist aber erstmal Montag und Montag heißt Arbeit und natürlich seit neuestem Arbeitszeiterfassung. Mir ist vollständig bewusst, wie unendlich privilegiert ich mit einem gutgezahlten Job bei einer wirklich absolut menschenfreundlichen Arbeitgeberin ich bin und trotzdem nervt mich der Gedanke immens, dass ich jetzt protokollieren soll, wann ich aus beruflichen Gründen bei Twitter etwas suche und wann ich im Sinne einer Arbeitspause bei Twitter rumscrolle.
Natürlich will ich, dass auch Pflegekräfte, Bauarbeiterinnen und News-Desk-Verantwortliche gut bezahlt werden, sich gut erholen können und noch Zeit für andere Dinge im Leben als Arbeit haben. Die Abschaffung des Kapitalismus scheint leider noch nicht sonderlich nah, minutengenaue Arbeitszeiterfassung scheint mir akut maximal Symptombekämpfung zu sein. Also beiße ich in den sauren Apfel, wenn es anderen hilft. Aber lieber wäre mir, wir würden gemeinsam an Reformen für Wirtschaft und Arbeit arbeiten, die eine zunehmend digitalisierte UND menschenwürdige Welt ermöglichen. (Hat jemensch BGE gesagt?)

Jetzt ist aber wirklich wieder Arbeitszeit angesagt, denn ich mache heute schon um 16 Uhr Schluss um Mini abzuholen und mit ihm Lego zu bauen. Ich bin mir nicht sicher, wer von uns beiden sich darauf mehr freut. Everything is awesome.

One Comment

  1. Jenny Becker

    Har har Piratenpartei ich lache hart, wenigstens haben wir uns da kennengelernt nachdem ich Beatles Revolution auf dem Podium geschmettert und es damit zu einer fremdschämenden Notiz im Zeit-Magazin geschafft habe : D Gian sagte immer „Walum“, ich ab und zu auch mal genervt „Dalum!“, weswegen „walumdalum“ bei uns zum Evergreen insider geworden ist 😀

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