Eine meiner liebsten Kolleginnen läuft regelmäßig Marathons und Halbmarathons. Meine Social Feeds sind immer wieder voll mit Bildern von Freund*innen, die gerade 40 Kilometer gerannt sind.
Es ist mir suspekt, ich verstehe nicht, warum mensch das macht. Wahrscheinlich weil ich noch nie sonderlich großen Spaß an Rennen und an kompetitivem Sport hatte, aber auch, weil ich mich frage, warum sich so viele Menschen auf diese Weise etwas beweisen wollen.

Und dann sitze ich heute morgen auf dem Rad, und ertappe mich bei dem Gedanken, dass diese Woche eben ein Marathon ist, den ich durchhalten muss. Von Samstag bis Mittwoch Abendtermine, und tagsüber ein Meeting nach dem anderen. Mit jedem Tag wächst meine Sehnsucht nach ein bisschen entspannter Zeit mit großem und kleinem Herzensmenschen. Also freue ich mich am Montag schon aufs nächste Wochenende, nur um mich dann am Freitag wieder zu fragen, wo denn die Woche geblieben ist.
Ich könnte mich jetzt natürlich auch fragen, warum ich mir das antue und wem ich irgendwas beweisen will. Zum Glück muss ich mich dieser Frage aber heute nicht stellen, ich habe ja gar keine Zeit dazu!

War es wirklich erst letzte Woche, als ich in fassungsloser Schockstarre auf mein Telefon gestarrt habe? Als in Thüringen, die Nazis zu Königsmachern wurden, fühlte sich das an, als würde mir jemand den Boden unter den Füßen wegziehen, als wäre ich in einem Alptraum gefangen, der einfach nicht wahr sein darf. Weil es niemals sein darf, dass sich das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte wiederholt, weil es nicht sein kann, dass unsere Demokratie von Faschisten übernommen wird, weil ich nicht darüber nachdenken will, wie lange ich als queere Feministin, als Mutter eines dunkelhäutigen Kinds, aktiv Widerstand leisten kann und ab wann es um unser Leben geht. Mir wird schlecht.
Es ist ein Sieg der Demokratie, dass der von Nazis Gewählte zurückgetreten ist, aber was in diesen wenigen Tagen passiert ist, zeigt wie notwendig es ist, unsere offene Gesellschaft zu verteidigen und zu stärken, wo und wann immer es nur geht. (Zum Beispiel bei den Demos am Samstag in Dresden und Erfurt!)

Und während das braune Damoklesschwert über uns hing, war der Rest der Welt nicht on hold, auch letzte Woche habe ich gearbeitet, in Berlin und im Kölner Büro, für eyeo und am Samstag für die Grüne Bundesarbeitsgemeinschaft Digitales. Und ich habe Lego gebaut und Grießbrei gekocht und versucht, soviel Liebe in dieses Kind zu schütten, wie ich nur kann. Auf dass es andere lieben kann, auf dass aus ihm ein emphatischer Mensch wird, der anderen mit offenem Herzen begegnet, egal woher sie kommen, wie sie aussehen oder wenn sie lieben.

Gestern Abend hat mich in dieser Funktion die beste Babysittern vertreten, während ich beim Neujahrsempfang von D64 war. Ich habe mich nicht nur über eine spannende Diskussion zwischen Rezo, Maya Goeppel und Lars Klingel gefreut sondern auch darüber, dass es jetzt offiziell ist, dass ich Teil des neuen Beirats des besten progressiven Digitalthinktanks bin! Zusammen mit 5 anderen brillianten Frauen (Julia Reda, Aya Jeff, Kathrin Passig, Malu Dreyer und Judith Simon) werde ich in den nächsten zwei Jahren an einer Utopie für das Internet der Zukunft arbeiten.
Heute Abend steht die nächste inspirierende Diskussion an, Kübra Gümüşay liest aus ihrem Buch “Sprache und Sein”, moderiert von Teresa Bücker. Sollte irgendmensch (ui, das hab ich auch noch nie geschrieben, oder?) noch ein bisschen Zeit zu Lesen haben kann ich Euch sowohl Kübras Buch als auch Teresas Kolumnen im Süddeutschen Magazin allerwärmstens empfehlen. Diese zwei Frauen haben eine sehr gute Idee davon, wie eine lebenswerte Zukunft aussehen könnte und bereichern mit ihren klugen Impulsen das Heute und das Morgen.

Einen Großteil der Termine packe ich mir also auf jeden Fall freiwillig in meinen Kalender. Also eigentlich natürlich alle, aber manche ein bisschen mehr aus Pflichtgefühl dem Job oder der Partei gegenüber als andere.

Noch vor ich heute morgen auf dem Rad saß, bin ich mit Mini zur Kita gelaufen. Es sind nur ein paar Meter, aber auch die können lang sein, wenn man selbst noch nicht so lang ist. Er hatte keine Lust, ich hatte keine Zeit. Hilft nur eins: Wettrennen! Denn mit ein bisschen Action und Mini-Competition geht es auf einmal ganz schnell und ist auch noch total lustig. Vor allem, weil Mini der felsenfesten Meinung ist, dass es “Batrennen“ heißt.
Wahrscheinlich haben Batman, Mini und ich das gemeinsam: Irgendwie sind wir am besten, wenn ganz schnell alles auf einmal passiert.

Wieviel Schlaf braucht Batman eigentlich? Und trinkt er Kaffee oder Mate oder macht Alfred ihm starken Tee? Ich hätte da ein paar Fragen.

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