Dieser Montagspost wird Ihnen präsentiert von einer großen Packung Schokoeis, die der weltbeste Herzensmensch gerade als Medizin zu mir gebracht hat und dessen Zuckergehalt die Energie für diesen Text liefert.
Und von Koala-Bären! Kennt ihr die noch? Ich wußte nicht, dass es die noch gibt, vor sie gerade auf meinen Tisch gezaubert wurden.
(Allerdings haben sie in meiner Erinnerung besser geschmeckt…)

Montag Abend D64 Neujahrsempfang und Beiratsernennung, Dienstag Abend Lesung von Kübra Gümüșay “Sprache und Sein”, Mittwoch Abend Feministischer Salon, Donnerstag Nachmittag All-Hands und Diskussion mit Kollegen, Freitag Abend Date Night.
Das war der Plan für die letzte Woche.
Ich war gerade mitten drin, dieses Programm durchzusprinten (siehe letzter Post), als das Telefon klingelte. Als Elter fürchtet mensch ja Anrufe aus der Kita in etwa so sehr wie – ja wie eigentlich? Gerichtsvollzieher sind ja zum Glück auch für die meisten Kinderlosen keine Alltagsbegegnung, Zeugen Jehova stehen wenn dann gleich vor der Tür und das Finanzamt ruft mit unterdrückter Nummer an.
Jedenfalls ist es Instant-Angst und schon vor ich ans Telefon gehe, springt in meinem Kopf das Krisenmanagement an. Wer wäre mit Abholen dran, Kindsvater oder ich, wer ist näher dran, welche Meetings stehen heute noch an und wie wahrscheinlich ist es, basierend auf Jahres- und Ferienzeit, ob wir einen Termin bei der Kinderärztin kriegen, falls es schlimm ist.
Am Mittwoch war es hohes Fieber und weil ich näher dran war und meine Meetings per Videokonferenz machen kann, bin ich los zur Kita um einen fiebrig-highen Mini abzuholen. “Mama, mein Kopf ist ganz komisch, so hier und hier und hier.” Begleitet von einer pantomimischen Darstellung von Überall, Oben und Unten und Hinten und Vorne.
Auf dem Heimweg dann überhitztes Gequassel von “Der Wind macht mir kalte Hände, im Sommer macht die Sonne warm, aber im Winter muss ich Handschuhe anziehen, weil die Sonne dann weg ist, aber man kann Spazierengehen wenn es nicht so kalt ist und manchmal ist auch die Sonne da aber nicht so warm – Mama hab ich Handschuhe dabei?”
Zuhause hat er sich erstmal mit riesigen Pupillen ganz nah vor den Spiegel gestellt, nur um nochmal festzustellen, wie komisch alles ist. Dann haben wir uns auf dem Sofa eingekuschelt und ich habe weitergearbeitet, während er ein bisschen gedöst hat.

Es ist ja schon nicht unbedingt schlafförderlich, wenn man immer mal wieder geweckt wird, weil da mitten in der Nacht jemensch ins Bett klettert, wenn dieser Besuch aber auch noch knapp 40 Grad heiss ist, partout keinen Fiebersaft eingeflösst bekommen will, aber dafür unbedingt jetzt sofort kalte Milch braucht, wird es nicht besser.
Der Ibuprofensaft für Kinder schmeckt zwar laut Packung nach „Erdbeer“, laut Mini aber sehr eklig, genau genommen „gaastig“. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, ob das „garstig“ ist und wenn ja, woher er dieses hübsch-altertümliche Wort kennt, oder ob es doch eher „disgusting“ ist. Problems of a bilingual kid. Was er meint ist jedoch unschwer verständlich, wenn es mir mit verzogenem Gesicht entgegenbrüllt.

Donnerstags habe ich also etwas übermüdet meine anstehenden Videokonferenzen gemacht. Bei der ersten saß Mini neben mir und hat genüsslich vor den Augen meiner Kolleg*innen in der Nase gebohrt. Wollte dann auch nicht in seiner Gegenwart behaupten, dass es nicht mein Kind ist… Aber war kurz davor!
Am Freitag war Mini wieder topfit, aber sicherheitshalber noch nicht in der Kita. Ich war müde, müde, müde, musste aber trotzdem arbeiten und dazwischen mich als Klettergerüst zur Verfügung stellen. Und obige Abendtermine wahrnehmen, was nur Dank dem herzensguten Herzensmensch und der besten Babysitterin des Universums ging. Die ich mir wiederum nur leisten kann, weil ich ein deutlich höheres Gehalt beziehe als die deutsche Durchschnittsmutter. Ich habe keine Ahnung, wie Alleinerziehende solche Wochen überleben… Es ist ja für mich, trotz flexibelstem Job und allerbestem Supportsystem schon unfassbar kräftezehrend…

Am Wochenende wollte ich mich dann endlich mal ausruhen, aber irgendwie wurde die Müdigkeit nur schlimmer statt besser und außerdem war mir ständig so bitterkalt und dann fing auch noch der Hals an, weh zu tun. Mandelentzündung, sagt die KI, in die ich meine Symptome tippe. Danke, Kitakeime…
Natürlich habe ich trotzdem heute morgen noch zwei Meetings gemacht, ein politisches Hintergrundgespräch geführt und vor der Ärztin noch eine Notarin besucht, weil wichtig. Aber dann habe ich den Rechner nur noch zum Serien gucken benutzt. (Und noch ein kurzer Call mit einer Kollegin und noch schnell einen Termin mit einem grünen Kreisverband ausgemacht, aber nur kurz.)
Morgen Vormittag habe ich ein Interview, das ich vom Sofa aus mache, wo ich gedenke den Rest des Tages zu verbringen. Wenn nicht wieder die Kita anruft.

Dieses ganze Vereinbarkeitsding ist ja eh schon ein schlechter Scherz, es müsste eigentlich Unvereinbarkeit heißen, denn dass Kind, Job und Ehrenamt mal wirklich gut vereinbar sind, ist ja eher die Ausnahme als die Regel. Sowie es eher eine Ausnahme ist, dass eins ein Kartenhaus komplett aufbaut, ohne dass vorher etwas zusammenklappt. Vereinbarkeit von Familie, Karriere und Extra ist so ein bisschen wie versuchen, im Herbstwind ein Kartenhaus aufzubauen. Und wenn dann einer krank wird, ist das so wie wenn Tief-Sabine kommt, zack liegt alles flach.
Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass ich so gerne “Challenge accepted” sage, an meiner Sturheit oder ob es ein Sysiphos-Syndrom ist, aber ich fange halt einfach immer wieder an, an meinem Kartenhaus zu bauen.

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