Weil mit Sicherheit nicht alle von Euch meine fiebrigen Rants auf Twitter verfolgen (I don’t blame you), hier eine kleine Zusammenfassung:
Ich bin Montag Morgen mit Kopf- und Gliederschmerzen, Husten und hohem Fieber aufgewacht. (Fast) schlimmer: Ich habe, wohl schon fiebrig, geträumt, ich wäre schrecklich krank und würde keine Luft mehr kriegen. Und also ob das noch nicht Alptraum genug war, saß währenddessen auch noch Jens Spahn an meinem Bett.
Ich habe mich also innerlich und äußerlich einfach nur schrecklich gefühlt, als ich aufgewacht bin.
Weil ich Kontakt hatte, zu jemenschen, der Kontakt zu einem bestätigtem Fall hatte, habe ich versucht die Hotline des Gesundheitsamts zu erreichen. 83 Versuche später wurde mir gesagt, dass es doch sehr unwahrscheinlich sei, sich über zwei Ecken anzustecken. Diese Aussage hat mich jetzt weder sonderlich überrascht noch besonders beruhigt.
Ob und bei welchen Events ich letzte Woche war wollte auch niemand wissen.
Mit knapp 40 Fieber habe ich mich also erstmal wieder zum Sofa geschleppt. Sofa statt Bett, da ich vor der Entwarnung des Gesundheitsamts Mini schon erklärt hatte, dass er nicht in die Kita muss. Sicher ist sicher, dachte ich mir morgens noch. Die Legosteine sind vor meinen Augen verschwommen also habe ich Mini erlaubt Videos zu gucken, während ich vor mich hin gedämmert habe. Immer mal wieder durchkreuzte die “pädagogisch wertvoll?”-Frage meinen Fieberkopf, aber weder er noch ich konnten uns Alternativen vorstellen. Er ist in diesem Fall natürlich Mini, noch rede ich von meinem Kopf nicht in der dritten Person. Außer wenn er wehtut.

Gestern war Mini dann wieder in der Kita und ich war zumindest vormittags noch in der Lage durch Twitter zu scrollen und die Horror-Nachrichten aus Italien zu sehen. Menschen mit beidseitiger Lungenentzündung werden nach Hause geschickt, weil es keine Kapazitäten mehr gibt, Ärzte kriegen Nervenzusammenbrüche weil sie Menschen sterben lassen müssen, die im Normalfall, mit ausreichend Betten und Personal, überleben würden. Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir alles tun müssen, um die Ausbreitung von Corona zu verlangsamen. Und ja, das beinhaltet drastische, unangenehme Schritte. Keine Großveranstaltungen mehr, aber wo immer es geht eben auch keine mittelgroßen mehr. “Abstand zwischen Menschen, im Großen wie im Kleinen” Die Berliner Amtsärzt*innen fordern pauschal alle Sport- und Kulturveranstaltungen abzusagen.

Nachmittags hat mich das Fieber dann nochmal komplett ausgeknockt, das einzige woran ich mich erinnern kann, ist dass ich mich gefragt habe, ob es für Embryonalhaltung wohl auch eine Asana-Bezeichnung gibt, so dass ich das ganze wenigstens als ausgedehnte Yin-Yoga-Session labeln kann…

Als ich wieder ein bisschen wach war, habe ich mir Ibuprofen eingeworfen (wie Smarties, Jens!!), um wenigstens zum Abendessen aufstehen zu können. Mini war wieder da und hat mit dem großen Herzensmensch zusammen den Tisch gedeckt und mich beim Abräumen mit ein paar Slapsticks-Moves ein bisschen aufgeheitert. “Schau Mama, ich kann die Teller rüber tragen!” *Hebt Teller demonstrativ hoch, alle Essensreste landen auf dem Boden*

Heute Vormittag habe ich mich dann zu meiner Ärztin geschleppt. Als ich da gestern anrief und um eine telefonische Krankschreiben bat hieß es “Glauben Sie wir gucken den ganzen Tag Fernsehen?!” Denn am Montag schon hatten die gesetzlichen Krankenkassen sich darauf geeinigt, dies gerade für Erkältungsbeschwerden zu ermöglichen. An die Tagesschau wurde es kommuniziert, an die Ärzt*innen wohl noch nicht.

Ich mag meine Ärztin wirklich gern, aber eine Stunde in einem überfüllten Wartezimmer voller hustender und niesender Menschen, trotz Termin, scheint mir irgendwie nicht gerade ideal. Auf Nachfrage teilte mit die Sprechstundenhilfe mit, dass sie nach wie vor nur AUs in der Praxis ausstellen würden.
Für den nächsten Winter suche ich mir auf jeden Fall eine Hausärztin, die auch eine Videosprechstunde anbietet. Das ist mittlerweile legal und sicher möglich, Digitalisierung sei Dank. Für die meisten hausärztlichen Anliegen ist das vollkommen ausreichend und wenn nicht, kann ich dann ja immer noch einbestellt werden.

Als ich dann endlich vor meiner Ärztin saß bestätigte sie mir, was ich mir schon selbst diagnostiziert hatte: Grippe.
Um dann hinzuzufügen: Sie könne natürlich nicht komplett ausschließen, dass es Corona sei, aber laut Anweisungen dürfe sie Tests nur durchführen, wenn Patient*innen in einem Risikogebiet waren, direkten Kontakt zu einem positiven Fall hatten oder akute Atembeschwerden. Mich also nicht.

Jetzt hänge ich wieder auf der Couch und appelliere an alle, besonders an die, die es nicht hören wollen: Sagt Veranstaltungen ab! Egal ob 1000 oder 100 Leute. Soziale Isolierung ist das Wirksamste, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Um dafür Sorge zu tragen, dass nicht bald auch in unseren Krankenhäusern, Intensivbetten nur noch an die mit bester Überlebenschance vergeben werden können.
Klingt panisch? Ist es nicht. Es ist eine sehr simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Wieviel kostet eine abgesagte Event, finanziell, sozial und emotional gegen wieviel sind uns Menschenleben wert?
Ich habe „nur“ Grippe und wünschte, ich wäre letzte Woche nicht beim KI-Observatorium, den Start-Up-Awards, einem Grünen Treffen und der Frauentagsdemo gewesen. (Namedropping, damit es hier nicht nur um krank geht, sondern wenigstens minimaler Tätigkeitsbericht.)

Also auch der Appell an alle, die das hier lesen: Bleibt zuhause. Arbeitet von zuhause wenn ihr könnt, ruft endlich mal wieder Mama und Opa an (und bittet sie ebenfalls zuhause zu bleiben), räumt die Küche auf, schreibt Gedichte.
Hilfreiche Beschäftigungstipps gern in die Kommentare!

Über au-schein.de gibt es übrigens Krankschreibungen per Mail, insbesondere für Vorsichts-Quarantäne. (Ich stehe in keinerlei Verbindung mit denen, habe es aber bereits erfolgreich genutzt.)

PS: Natürlich niese ich auf dem Bild nicht in meine Hand! Welche Irre würde das heutzutage noch machen? Grippe macht nur einfach echt nicht fotogen…
PPS: Gründlich und oft Händewaschen gilt natürlich nach wie vor, solange ihr nicht komplett isoliert seid.

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