My body, my internet

“My body, my choice! My body, my choice!”
“Ja, stimmt ja! Aber kannst Du Dir jetzt trotzdem eine Unterhose anziehen vor wir auf den Spielplatz gehen?”
Am Samstag war ich mit vielen anderen Menschen auf der Demonstration des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung und Mini war zum vierten Mal dabei. Weil wir in dieser Familie Selbstbestimmung hoch halten, darf er irgendwann selbst entscheiden, ob er mit will oder nicht. Ich werde so lange demonstrieren, lobbyieren und diskutieren bis jede Frau, alle ungewollt Schwangeren, einfachen Zugang zu sicheren und vollständig legalen Schwangerschaftsabbrüchen haben.

Rest in Power, RBG

Am Morgen vor der Demo habe ich erfahren, dass Ruth Bader Ginsburg, die feministische Richterin am amerikanischen Supreme Court, verstorben ist. Das ist gesamtpolitisch ein Desaster, aber insbesondere für die Rechte von Frauen und Menschen der LGBTIQ Community.
Ein kleiner Trost ist, dass sie uns nicht nur als leuchtendes Vorbild in Erinnerung bleiben wird, sondern auch sehr viele kluge Gedanken und Texte hinterlassen hat.
Zum Thema Schwangerschaftsabbrüche sagte sie schon 1993: „Es ist essentiell für die Gleichberechtigung der Frau, dass sie die Entscheidung trifft, dass ihre Wahl entscheidend ist. Einschränkungen aufzuerlegen, die sie in ihrer freien Entscheidung behindern, heißt sie wegen ihres Geschlechts zu benachteiligen.“
In diesen sperrigen, von mir mehr schlecht als recht übersetzten Juristinnensätzen liegt eine solche Sprengkraft. Sie verdeutlichen, ja beweisen geradezu, dass das Recht, frei und selbstbestimmt über eine Schwangerschaft zu entscheiden, eben nicht ein “Nischenthema” ist, sondern ganz grundlegend wenn es um den Kampf für echte Gleichberechtigung geht.

Internet + Feminismus = Gleichberechtigung

Als ich nach dem Wirtschaftsinformatikstudium meine Doktorarbeit in Gender Studies begonnen habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich diese “exotische Kombination” in Zukunft oft erklären würde müssen. Und ich sollte leider Recht behalten. Dabei gibt es mehr Zusammenhänge als mir lieb ist. Mir würde ja reichen, dass mich Computer, das Internet und starke Frauen schon immer gleichermaßen begeistert haben.
Die Digitalisierung ist, genau wie Feminismus, ein Querschnittsthema, das alle Bereiche unserer Gesellschaft betrifft. Und Themen, die uns alle betreffen sollten, wenn schon nicht von uns allen, dann doch wenigstens von einer breiten Gruppe vertreten werden. Ich will nicht in einer Welt leben, in der nur Männer sich mit der Digitalisierung beschäftigen und nur Frauen sich um Feminismus kümmern. (Und auch in keiner, in der Geschlecht so binär ist wie Nullen und Einsen!)
Manchmal erkläre ich, dass ich ja notgedrungen diese Doktorarbeit schreiben mussten, nachdem ich für Jahre im Leistungskurs, im Studium und im Job eine der wenigen, oft die einzige Frau war. Ob ich wollte oder nicht, mangelnde Gleichberechtigung war immer “in my face”.
Dabei könnten digitale Tools genau diese Ungleichheiten aufbrechen. Als ich das erste Mal online war herrschte im Netz noch dieses zutiefst demokratische Gefühl, dass alle gleich sind, egal von wo auf der Welt sich jemand in einen Chatroom eingewählt hat. Dieses Gefühl treibt mich an, wenn ich politisch daran arbeiten will, dass alle Menschen gleichberechtigt Zugang zum Internet bekommen, gleichberechtigt digitale Tools nutzen können und von Algorithmen gleich und gerecht behandelt werden.

Mitdiskutieren


Ich freue mich, dass immer mehr Menschen sehen, dass wir auch die Digitalisierung aus feministischer Perspektive betrachten müssen und dass sich Feministinnen mit Technologie beschäftigen müssen. Nach der Demo am Samstag habe ich bei der Bundesfrauenkonferenz einen Workshop zur Digitalisierung gehalten, wir haben über rassistische Algorithmen, über digitale Selbsthilfe und über programmierende Mädchen gesprochen. Diese Woche halte ich meine erste rein digitale Keynote und es wird auch hier um den Querschnitt der Querschnittsthemen gehen: Digitalisierung und Geschlechterfragen.
Außerdem moderiere ich noch ein Panel zu Civic Tech, spreche über das Digitale in unserem Grundsatzprogramm und den “digitalen Kulturkampf”. Wenn ihr mitdiskutieren wollt, guckt mal auf Twitter, da habe ich die Veranstaltungen verlinkt!

So, my body möchte jetzt in my Bett.

Teile diesen Beitrag:

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on linkedin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Andere Beiträge

Solidarität statt Autobahn!

Wie wir ja jetzt wissen, ist Campen nicht so meins. Was der Herzensmensch als großes Manko sieht. Draußen auf dem Land Meine These ist ja,

My body, my internet

“My body, my choice! My body, my choice!” “Ja, stimmt ja! Aber kannst Du Dir jetzt trotzdem eine Unterhose anziehen vor wir auf den Spielplatz

Zuviel des Grünen

Grün, grüner, Krötenzaun Beim Anblick von Krötenzäunen kam bei mir letzte Woche einiges an Kindheitserinnerungen hoch. Im Nieselregen Frösche und Kröten in Eimer zu sammeln